logo
BuiltWithNOF
logo-text

III Erziehung und Bildung im Kindergarten

1 Förderung der Lern- und Entwicklungsprozesse von Kindern

Ziel unserer Bildung- und Erziehungsarbeit ist es, dem Kind vielfältige Lern- und Entwicklungsangebote und –möglichkeiten zu geben. Im Vordergrund allen Lernens steht dabei das Kind in seinen Basiskompetenzen zu fördern:

Diese Basiskompetenzen bauen auf drei grundlegenden Bedürfnissen des Menschen auf.

Dem Bedürfnis nach

  • sozialer Eingebundenheit
  • Unabhängigkeit
  • Aufgaben und Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen

Wir möchten diese Basiskompetenzen kurz aufzeigen und zusammenstellen:

1.1_Personale Kompetenzen (= individuumsbezogene Kompetenzen und Ressourcen)

  • Selbstwahrnehmung, wie bspw.
  • hohes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen entwickeln, positive Rückmeldungen erhalten
  • Motivationale Kompetenzen,
  • wie bspw. Herausforderungen, Autonomie, Regeln einhalten, eigenes Verhalten planen, Lösungen suchen, Phantasie und Kreativität
  • Kognitive Kompetenzen,
  • wie bspw. differenzierte Wahrnehmung schulen, Denkfähigkeit fördern, Gedächtnisschulung, Lösungen suchen, Phantasie und Kreativität anregen
  • Physische Kompetenzen,
  • wie bspw. grundlegende Hygienemaßnahmen, gesunde Ernährung, Grob- und Feinmotorik, geistige und körperliche Anstrengung und Entspannung
  • 1.2 Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext
    • soziale Kompetenz,
    • wie bspw. Aufbau sozialer Beziehungen, Empathie, Kommunikation, Zusammenarbeit, Konfliktfähigkeit
    • Entwicklung von Werten,
    • wie bspw. soziale Zugehörigkeit, Streitfragen erkennen, Unvoreingenommenheit, anderen Kulturen begegnen, Achtung vor Andersartigkeit, Solidarität
    • Fähigkeit und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme
    • für das eigenen Handeln, anderen Menschen gegenüber, ebenso wie für Natur und Umwelt
    • Fähigkeit und Bereitschaft zur demokratischen Teilhabe,
    • wie bspw. Gesprächs- und Abstimmungsregeln, eigener Standpunkt
  • 1.3 Lernmethodische Kompetenzen
    • „Lernen, wie man lernt“ (siehe 3.1) baut auf den vorherigen Basiskompetenzen auf. Dazu gehört, den Kindern bewusst zu machen, dass sie lernen, was sie lernen und wie sie lernen.
  • 1.4 Kompetenter Umgang mit Veränderungen und Belastungen
    • 1.4.1 Förderung der Widerstandsfähigkeit des Kindes (= Resilienz)
    • Resilienz bündelt personale und soziale Ressourcen, die das Kind in die Lage versetzen, sich auch unter riskanten Lebensumständen positiv zu entwickeln
    • 1.4.2 Übergänge des Kindes begleiten, damit es diese gut bewältigen kann (Transitionen)

    2 Lernformen frühkindlicher Entwicklung und Bildung

    Grundlage des Lernens ist für ein Kind im Vorschulalter das Spiel. Wir bezeichnen das Spiel als „die Arbeit des Kindes“. Es ist eine entscheidende Sache für uns und für das Kind selbst. Das Spiel ermöglicht dem Kind spielend zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und individuelle Entwicklungsschritte zu gehen. Deshalb achten wir dabei darauf, dass sich Freispielphasen und pädagogische Angebote abwechseln.

    2.1 Lernen, wie man lernt

    Der Begriff des Wissens hat heute eine völlig neue Bedeutung gewonnen. Der Einzelne muss sich eine neue Art von Allgemeinwissen aneignen, das auch immer schnelleren Veränderungen unterworfen ist.

    Wir helfen den Kindern Ideen zu entwickeln und sprechen mit den Kindern darüber. Die Kinder teilen sich dabei ihre Ideen gegenseitig mit. Sie machen sich ihre Gedanken klar, indem sie mit anderen Kindern darüber sprechen. Es wird ihnen in diesen Gesprächen deutlich, was sie selbst und die anderen Kinder denken. Die Erzieherin hat die Aufgabe, das Gespräch der Kinder zu lenken, die Ideen zu sammeln und sie gegenüber zu stellen.

    Beispiel:

    Im Morgenkreis werden die geometrischen Körper behandelt. Wir lassen Kegel, Kubus und Kugel herumreichen, rollen und benennen sie.

    Nicht nur die abstrakten Körper, sondern ihr Vorhandensein in der Umgebung (Ball, Zauberhut, Würfel usw.) werden bewusst gemacht. Die Kinder machen sich gegenseitig darauf aufmerksam, wo überall solche Formen zu finden sind. Die Kinder werden von der Erzieherin darauf aufmerksam gemacht,

    • dass sie heute gelernt haben
    • was sie gelernt haben
  • und
    • wie sie es gelernt haben.
  • Beim Umgang mit dem Kind ist es für die Erzieherin wichtig, den Kindern das Weitermachen zu ermöglichen, Impulse zu setzen und Zuspruch zu geben.
  • Wir nutzen dazu die „vorbereitete Umgebung“ und die Montessori-Materialien mit ihren Charakteren und Eigenschaften besonders.

    So kann lernen, wie folgt zusammengefasst werden:

    Lernen

    • mit allen Sinnen „sinnvoll“ Lernen
    • mit Hilfe be-greifbarer Materialien
    • unter Berücksichtigung der Bedeutung von Bewegung und Selbständigkeit
    • durch die freie Wahl der Tätigkeit in einer vorbereiteten Umgebung
    • durch eine tiefe Konzentration bei einer selbst gewählten Tätigkeit
    • durch Stimulieren der vernetzten Hirnstrukturen
    • durch Selbstkontrolle – Fehler werden selbst erkannt
    • durch Beobachtung und Nachahmung
    • in logisch aufgebauten Schritten
    • eigenständiges Handeln und konkrete Erfahrungen
    • mit Hilfe von klaren Regeln und Strukturen
    • mit individueller und geduldiger Begleitung
    • vollzieht sich ganzheitlich, integrativ und präventiv
  • 2.2 Projektarbeit (lat. „proicere“ – entwerfen, planen)
  • Die aufgeführten Lernprozesse der Kinder werden durch Projektangebote unterstützt.

    Das Lernen in Projekten ist exemplarisches Lernen. Die Kinder lernen durch diese unterschiedlichen Methoden andere Bezüge und Aspekte zu den Themen kennen. Erforschen, beobachten, erfahren, bewegen, singen usw. und die gemeinsame Reflexion bauen aufeinander auf. Es werden Wissen und Kompetenzen erworben, die immer wieder auf Alltagssituationen übertragen werden können.

    Die Themenauswahl kommt sowohl von den Kindern als auch von dem pädagogischen Personal.

    Die Struktur des Themas entwerfen wir teilweise mit den Kindern anhand unserer Zielsetzungen. Diese Projekte sind ein Bestandteil unserer vorschulischen Bildungsarbeit. Dabei führt der Wechsel der unterschiedlichen Methoden, wie z.B. Exkursionen, Diskussionen, Rollenspiele, kreatives Gestalten usw. im Verlauf der Projekte und in dessen Struktur zu einem tieferen Eindringen.

    Die Reflexionsphasen finden am Ende einzelner Projekte statt, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Prozesse des Lernens zu wiederholen und sich diese bewusst zu machen.

    Projektbeispiele aus der Praxis:

    • Das Leben im Wasser
    • Der Orient
    • Das Leben am Nord- und Südpol
    • Zirkus
    • Markttag
    • Krankenwagen usw.

    2.3 Soziales Lernen:

    Mit dem Eintritt in den Kindergarten verlässt das Kind zum ersten mal den vertrauten Lebensraum und die bekannten Bezugspersonen. Es begibt sich in ein völlig unbekanntes soziales Gefüge. Wir wissen wie wichtig es für die Kinder ist, ihnen ein Gefühl der Anerkennung und der Zugehörigkeit zu geben. Denn erst, wenn das Kind Sicherheit und Geborgenheit spürt, ist es offen für neue Kontakte und kann in seine Welt hineinwachsen.

  • Wir versuchen dies zu vermitteln, indem wir
    • jedem Kind eine Bezugsperson sein wollen
    • ihm aufmerksam zuhören
    • Rückmeldung geben
    • genau beobachten
    • aufgrund von Beobachtungen agieren
    • viele Möglichkeiten zur Interaktion geben
    • Trost spenden
    • klare Regeln und Grenzen setzen
    • bei Konflikten unterstützen

    Durch Schaffung einer vertrauensvollen Basis bekommt das Kind die Sicherheit sich mit den anderen Kindern auseinander zu setzen. Das offene Haus hilft bei der Entwicklung von Freundschaften und bietet vielfältige Möglichkeiten Lernprozesse bei Kindern zu fördern.

    Das offene Haus bietet eine große Auswahl

    • an Spielkameraden
    • an Spielsituationen
    • an erwachsenen Begleitern

    Durch die Altersmischung und die Integration von Kindern mit erhöhtem Entwicklungsrisiko lernen Kinder schon frühzeitig

    • „Andersartigkeit“ zu akzeptieren
    • Probleme zu lösen
    • Geduldig zu sein, warten zu können bzw. Rücksicht zu nehmen
    • Hilfsbereit zu sein

    Trotz oder auch weil unsere Einrichtung nach dem offenen Konzept arbeitet, ist uns die Gruppe und damit auch die Erfahrung und das Erleben in der Gruppe wichtig. Wir erleben uns in der Gruppe

    • bei Festen und Feiern
    • bei Angeboten, wie Basteln, Turnen, usw.
    • bei Ausflügen, z.B. Wandertag
    • im Morgen- bzw. Anfangskreis
    • in Bereichen des offenen Haus
    • am Brotzeittisch

    2.4 Regeln

    Das Kind erfährt Begrenzung durch Regeln und Absprachen, das Montessori-Material, durch die vorbereitete Umgebung und das individuelle Eingreifen des Erziehers/der Erzieherin. Innerhalb dieser Strukturen kann das Kind wirklich frei wählen, was es für seine Entwicklung braucht um Halt, Geborgenheit, Schutz und Orientierung zu finden.

    Wir unterscheiden dabei zwischen folgenden Regeln:

    • Regeln des sozialen Zusammenlebens
    • Diese Regeln sichern das Wohlergehen des einzelnen in der Gruppe. Das heißt, dass „die freie Wahl der Tätigkeit“ die Eigenständigkeit beinhaltet, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Es bedeutet aber keine grenzenlose Freiheit:
    • Die Freiheit des Kindes endet dort, wo sich ein anderer gestört, bedrängt, verletzt oder eingeengt fühlt.
    • Regeln aufgrund der äußeren Gegebenheiten
    • So wird vor dem Mittagessen das Bauzimmer aufgeräumt, weil es zugleich Essensraum ist.
    • Regeln in den Funktionsbereichen: Beispiele hierfür sind.
      • Das Kind fragt: "Darf ich zuschauen?" oder "Darf ich mitspielen?" 
      • Jede Tätigkeit hat ihren Bereich, z.B. Laufen und Toben im Keller oder im Garten, ruhige Beschäftigungen im Erdgeschoss
      • Fertige, mit Namenskärtchen versehene Arbeiten, dürfen vorerst liegen bleiben und von anderen Kindern nicht beschädigt werden

    2.5 Umgang mit Konflikten

     

    Für uns sind Konflikte ein normaler und wichtiger Bestandteil des kindlichen Alltags. Sie sind durchaus positiv zu betrachten. Durch einen gut gelösten Konflikt wird das Kind auf vielen Ebenen gefördert. Unsere Erziehungsziele sind dabei, dass das Kind

    • die Perspektive (Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle, Ursachen) des anderen und der eigenen Person begreifen lernt.
    • lernt, seine eigenen Gefühle bzw. seine eigene Perspektive zu verbalisieren.
    • lernt, die Grenzen bezüglich seines Verhaltens im Konflikt zu erkennen und zu akzeptieren (nicht beleidigen oder den anderen schlagen).
    • zusammen mit dem Konfliktpartner und dem Erwachsenen nach Lösungen und Kompromissen sucht.
    • lernt, dass unangenehme Gefühle zum Leben gehören und aufgelöst werden können.
    • lernt, sich nicht mit einer unangenehmen oder ungerechten Situation abzufinden, sondern sich mit anderen auseinander zu setzen, sich Hilfe zu holen und nach Lösungen zu suchen.
    • lernt, dass durch einen gut gelösten Konflikt eine engere und positive Gefühlsbindung zum anderen entstehen kann.

    Unser Verhalten äußert sich folgendermaßen:

    Wir Erzieher/innen

    • haben das Vertrauen in die Kinder, dass sie viele Konflikte selbständig lösen können, eigene Ideen zur Problembewältigung haben und gestärkt aus der Situation gehen.
    • greifen nicht sofort in einen Konflikt ein (außer bei gesundheitlicher Gefahr für die Kinder), sondern warten ab, beobachten den Verlauf bzw. die Kinder genau.
    • warten auf den Impuls des Kindes, bis wir eingreifen (das Kind kommt und beschwert sich, fragt nach Unterstützung).
    • führen ein unvoreingenommenes Konfliktgespräch mit beiden „Parteien“, spiegeln den Kindern deren Gefühle und suchen zusammen mit den Kindern nach einem Lösungsweg.
    • wir nehmen uns so viel Zeit für das Konfliktgespräch bis alle Beteiligten zufrieden sind bzw. Verständnis für den anderen zeigen.

     

    [Home] [Impressum/Kontakt] [Konzeption] [Rahmenbedingungen] [Grundlagen] [Erziehung / Bildung] [Themenbezogene Bildung] [Schlüsselprozesse] [Fotos] [Betreuungszeiten/Preise]